Sozialbereich Produktion Landwirtschaft
Aus-& Weiterbildung Künstlerisches Arbeiten

Die Tätigkeitsbereiche der Lebensgemeinschaft an den verschiedenen Orten werden als Beitrag und Dienst für eine natur- und geistgemässe Entwickelung von Erde, Pflanze, Tier und Mensch verstanden.

Sozialbereich

Wie kann das Zusammenleben so gestaltet werden, dass auch die schwächsten Menschen getragen werden können und nicht ausgegliedert werden müssen?

Alles Zusammenleben und Zusammenarbeiten in der Lebensgemeinschaft geschieht in Gemeinsamkeit mit Menschen, die auf Grund verschiedenartiger Behinderungen den Belastungen des Lebens in der Gesellschaft nicht gewachsen sind, die sich oftmals auch nicht in heilpädagogische oder sozialtherapeutische Gruppen einfügen können, aber mit ihren Gaben und oftmals besonderen sozialen Fähigkeiten gleichermassen ein wesentliches Glied der Gemeinschaft bilden, als Seelenpflege-bedürftige, sehr eigene Menschen.

Im Zusammenleben setzen wir auf gegenseitige Hilfe und Förderung in unseren individuellen und gemeinsamen Entwicklungen und dem Bemühen darin, dass jeder sein Schicksal verwirklichen kann.

Dadurch ist das Leben in der Gemeinschaft geprägt von mannigfaltigen kleineren oder größeren Erlebnissen zusammen mit unseren Betreuten. Mögen sie freudvoll, humorvoll oder auch schwierig sein, sie sind alle kleine Bausteine auf einem gemeinsamen Weg. Sei es im Leben des Alltags, bei praktischen Aufgaben, beim Üben im Künstlerischen, beim Suchen von Lösungen in sozialen Fragen usw. - überall dürfen wir erfahren, dass gerade diese Menschen, die oftmals bereits von Geburt aus sehr schwer in ihrer Entwicklung gestört sind, im wahrsten Sinne des Wortes Helfer sind. Es liegt an uns, dieses zu bemerken und ihnen den nötigen inneren Halt und gleichzeitig grösstmöglichen Freiraum zu vermitteln, so dass sie auf ihre Weise einen Beitrag für das soziale Zusammenleben leisten können.

Landwirtschaft

Wie kann verantwortungsvoll mit dem Lebendigen, den Gütern der Natur im Zusammenklang von Erde, Pflanze, Tier und Mensch umgegangen werden?

Am Freiheithof wird die Landwirtschaft bzw. der Garten nach biologisch-dynamischer Wirtschaftsweise geführt. Diese Wirtschaftsweise ermöglicht einen Dienst an der Erde und eine Entwicklungspflege der Naturreiche als Grundlage des menschlichen Lebens.

Die Erde gibt dem Menschen die Grundlage für sein Leben. Im Zusammenwirken der Elemente Erde, Wasser, Luft, Licht und Wärme leben Pflanzen und Tiere. Der Landwirt arbeitet mit diesen Elementar-Kräften, auch einbeziehend die kosmischen Rhythmen von Sonne, Mond und Sternen. Er entwickelt das Tier- und Pflanzenleben so, dass aus einem Überschuss des pflanzlichen und tierischen Lebens Nahrung für den Menschen entsteht. Die biologisch-dynamische Landwirtschaft verwendet die von Rudolf Steiner gegebenen Präparate als Heilpflanzenzusätze, (Kamille, Löwenzahn, Scharfgabe, Eichenrinde, Brennnessel und Baldrian) zur Lenkung und Verlebendigung der Dünger: Umsatzprozesse in Mist, Kompost und Jauche.

Die Landwirtschaft am Freiheithof bildet die Ernährungsgrundlage für die Menschen am Ort. 25 ha landwirtschaftlich genutzte Fläche, eine Milchviehherde, ein vielseitiger Ackerbau mit Dinkel, Roggen, Weizen und Feldgemüse sind vorhanden. Es werden Dinkelwalznudeln als Demeter-Produkt hergestellt, Brot gebacken, Milch und Fleisch verarbeitet, Beeren eingekocht. Diese Produkte sind im Hofladen erhältlich. In all diesen Vorgängen sind Menschen beteiligt, die gleichzeitig Betreuung brauchen und die sich in landwirtschaftliche und hauswirtschaftliche Arbeiten gerne einbringen möchten. Es besteht die Möglichkeit, eine landwirtschaftliche Lehre zu absolvieren.

Produktion

Wodurch erfüllen wir heute, in der arbeitsteiligen Welt, unsere materiellen Bedürfnisse? Dadurch, dass andere Menschen die Produkte (Waren) herstellen, die wir zu dieser Befriedigung brauchen. Um als Lebensgemeinschaft in die Gesamtheit der wirtschaftenden Menschen vollumfänglich einbezogen zu sein, ist es von Bedeutung, dass wir nicht nur als Verbraucher in diesem Gefüge darinnen stehen, sondern auch als Produzierende.

In der Produktion bemühen wir uns im Umgang mit den Stoffen dieser Erde, ihren Gesamtzusammenhang im Weltganzen zu berücksichtigen und nicht zu zerstören, indem wir die Verarbeitungsverfahren entsprechend wählen und dem Produkt eine zukunftsweisende Form geben.

Im Arbeitsablauf durch Menschen und Maschinen streben wir in arbeitsteiliger Fertigung einen Rhythmus an, der die Menschen im Tun unmittelbar verbindet und jeden, der den Willen dazu hat, gleichberechtigt am Produktionsprozess teilnehmen lässt, unabhängig von seiner Leistungsfähigkeit.

Über den Zusammenhang unserer Produkte mit den Erkenntnisbemühungen bei der Konzeption und über den Wert, den sie erhalten durch das Bedürfnis der Verbraucher, unsere Kunden, bilden wir kontinuierlich gemeinsames Bewusstsein.

Am Freiheithof wird der auf dem Hof selbst angebaute Dinkel zu Dinkel- Walznudeln verarbeitet. Es gibt die Möglichkeit für die Herstellung weiterer, auch hofunabhängiger Produkte, wofür eine Betriebshalle zur Verfügung steht.

In der Lebensgemeinschaft besteht die Initiative für die Gründung eines neuen Wirtschaftunternehmens.

Das Künstlerische in der Lebensgemeinschaft
als soziale und hygienische Aufgabe

Seit dem Beginn der Lebensgemeinschaft spielt das Künstlerische im Zusammenleben mit Seelenpflege - bedürftigen Menschen eine besondere Rolle. In einer täglichen künstlerischen Stunde werden Musik, Eurythmie, Malen, Plastizieren, Bildbetrachtung und Theaterspielen im gemeinsamen Tun geübt. Dabei wird versucht, die uns anvertrauten Menschen, jeden nach seinen Möglichkeiten, in das Geschehen zu integrieren. In der Musik ist es das Pflegen von Liedern und Chören im Zusammenhang mit den wechselnden Stimmungen des Jahreslaufes und der Jahresfeste und das Musizieren mit traditionellen oder neuentwickelten Instrumenten wie Leiern, Choroi - Flöten, Choroi - Handspielen und Xylophonen, Trommeln, Gongs und Glocken.

In der Eurythmie als neuer Bewegungskunst wird versucht, mit Gebärde und Bewegung auszudrücken, was in der menschlichen Sprache und Musik lebt. Zusätzlich zu seelenhygienischen Grundübungen werden Musikstücke, Gedichte, Märchen, epische, lyrische und dramatische Werke dargestellt. Im Malen und Plastizieren üben wir das kreative Umgehen mit Farben und Formen bis hin zum Malen von eigenen Bildern, die dann manchmal für eine Weile die Wände im Hause schmücken.

In ein solches gemeinsames Üben und tastendes Gestalten der reichen Ton-, Bewegungs- und Farbenwelt in uns und um uns steigen unsere Betreuten mit großer Begeisterung und innerer Bewegtheit ein. So wird in einem erübten oder aus dem Moment entstandenen freien Zusammenklingen - sei es in einfachen Improvisationen oder in größeren Werken wie "die Zauberflöte" von Mozart oder "Orpheus" von Gluck - ein harmonisches Geben und Nehmen als künstlerischer Austausch möglich.

Gerade durch unsere Betreuten erleben wir es als große Hilfe, das Künstlerische aus einem einseitigen virtuosen Könnertum oder einem passiven Konsumieren heraus in ein lebendiges, soziales Geschehen unter Menschen hereinzuführen. Das tägliche Eintauchen in Musik oder Eurythmie wird eine für das Zusammenleben wichtige hygienische und therapeutische Aufgabe: So dürfen wir es immer wieder wie ein Geschenk erleben, dass wir uns als Menschen - wer und wie wir auch immer sein mögen - in der Kunst über unsere Eigentümlichkeiten und Einseitigkeiten für einen Moment erheben und uns von unseren inneren Feinden befreien können, so wie es Mozarts Zauberflöte besingt:

Könnte jeder brave Mann             ohne Mühe schwinden
solche Glöckchen finden              und er lebte ohne sie
seine Feinde würden dann           in der besten Harmonie

Siehe auch: > Kultur am Freiheithof       > Aus- und Weiterbildung