Orientierungszeit als Selbst- und Gemeinschaftsfindung
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Wer kann sich für eine Orientierungszeit entscheiden?

» Wer einen individuell auf ihn abgestimmten Erfahrungs- und Studiengang absolvieren will. » Wer mit anderen Menschen soziale und gemeinschaftsbildende Erfahrungen sucht und existentielle F Ein Bild des Malers Beppe Assenzaragen hat, die das Zusammenleben und -arbeiten betreffen. » Wer bereit ist, mit Seelenpflege-bedürftigen Menschen Umgang zu pflegen. » Wer sich in das Zusammenleben hineingibt, wie es in der Gemeinschaft auf der Grundlage der Anthroposophie geschieht (Gebet vor den Mahlzeiten, Morgenkreis, Abendabschluss, künstlerische Stunden, Feiern der christlichen Jahresfeste). » Wer bis zu einem gewissen Grade in sich gefestigt und sozial belastbar ist; Mindestalter: 18 Jahre.

Was ist das Ziel einer Orientierungszeit?

Der Orientierungsuchende gewinnt Klarheit bezüglich seines nächsten Lebensschrittes und Berufsweges: z.B. Beginn einer Ausbildung. Er lernt die sozialen Formen in der Lebensgemeinschaft kennen und hat Gelegenheit, sie mit zu praktizieren. Er hat Begegnung und Austausch mit Verantwortlichen der Lebensgemeinschaft. Er kann Erfahrungen machen im konkreten Zusammenleben mit Betreuten.
Es besteht das Angebot, das Anthroposophische Welt- und Menschenbild kennenzulernen und zu vertiefen, wie auch einzelne Fachbereiche wie Pflege, Therapie, Ernährung, Krankheitsbilder, Kunst, Hauswirtschaft, Handwerk, Garten, Landwirtschaft. Der Orientierungsuchende lernt einen gesunden Lebensrhythmus kennen und hat die Möglichkeit, einen bewussten Umgang mit Arbeit und Freizeit zu entwickeln.

Warum eine Erfahrung in einer Gemeinschaft?

Diese Orientierungszeit wird aus der Überzeugung angeboten, dass in einem Gemeinschaftszusammenhang, besonders wenn zu betreuende Menschen dazugehören, Fähigkeiten und Haltungen erworben werden können, die sowohl für eine berufliche Tätigkeit wie auch für die persönliche Lebensgestaltung förderlich sind.

Eine grundlegende Fähigkeit ist für uns Vertrauen, das es in verschiedener Hinsicht zu entwickeln gilt: als Vertrauen in Ideen, in die uns umgebende gegenständliche Welt und vor allem als Vertrauen in uns selbst und in die Menschen, die mit uns leben und arbeiten.

Weitere wesentliche Eigenschaften, die das Leben von uns Menschen fordert:
Verantwortungsbewusstsein, die Fähigkeit, sich selber zu motivieren, logisches Denken und planvolles Arbeiten, Konzentrationsfähigkeit. Die Begegnung mit Menschen, die darauf angewiesen sind, dass andere die Verantwortung für sie übernehmen, kann ein prägendes Erlebnis werden. Diese zu betreuenden Menschen helfen auf oft ungeahnte und gleichsam verborgene Weise, die obengenannten Fähigkeiten zu entwickeln.

Wo werden Orientierungsmöglichkeiten angeboten?

An den Orten der Lebensgemeinschaft:
St. Luc als "secteur thérapeutique spécialisé" ist ein Teilbereich des heilpädagogisch-sozialtherapeutischen Instituts "La Branche" in der Nähe von Lausanne in der Schweiz mit fünfzehn Seelenpflege-bedürftigen Menschen und ca. fünfzehn Kollegiumsmitgliedern, Schülern und Praktikanten in drei Wohngemeinschaften.

Der Freiheithof liegt in der Nähe des Bodensees in Deutschland. Der Landwirtschaftsbereich wird biologisch-dynamisch geführt. Die Erzeugnisse werden zum Teil selber weiter verarbeitet und vermarktet. Der Sozialbereich umfasst das Zusammenleben der in den vier Wohnhäusern am Freiheithof lebenden Menschen. In einem neu ausgebauten Haus besteht ein Bereich für Alterspflege.

Vaudésy ist ein Haus in Dornach (Schweiz), in dem es zur Zeit Wohnraum für ältere und kranke Menschen gibt und wo Studienaufenthalte durchgeführt werden.

Spalenring ist ein Haus in Basel, in dem betreutes Wohnen und Beschäftigung in Vorbereitung sind.

Wann ist der Beginn?

Als Bewerbung wird eine schriftliche Anfrage mit Lichtbild erwartet. Einer  Orientierungszeit voran geht ein wechselseitiges Kennenlernen von wenigstens ein paar Tagen. Der Beginn ist jederzeit möglich.

Wie ist der Weg?

Alle Verantwortlichen, Mitarbeiter und Praktikanten leben mit den Betreuten an den Orten der Lebensgemeinschaft. Die Teilnehmer einer Orientierungszeit werden von den Verantwortlichen der Wohngemeinschaft, der sie angeschlossen sind, eingeführt. An allen Aktivitäten des täglichen Lebens und praktischen Tuns können sie sich beteiligen. Es finden regelmässige Arbeitsbesprechungen statt.
Für jeden Orientierungsuchenden wird zudem eine Begleitgruppe gebildet, die zur Verfügung steht für Gespräche zu individuellen Fragen und für persönliche Beratung während der ganzen Zeit der Orientierung. Regelmässig und bei Bedarf werden mit dem Teilnehmer Vor- und Rückschauen gehalten.
Weiter werden angeboten: Studienarbeit zu geisteswissenschaftlichen, fachbezogenen oder künstlerischen Themen, individuell oder in Gruppen, phänomenologische Betrachtung, künstlerische Betätigung.
Die Orientierungszeit lebt stark von den eigenen Initiativen des einzelnen Teilnehmers: z.B. praktische Aufgaben, Arbeitsgruppen zu Wahlthemen.

Wie findet die Orientierungszeit ihren Abschluss?

» Indem die vorgenommene, befristete Zeit abgelaufen ist und der Teilnehmer in seinen nächsten Lebens- und Tätigkeitsbereich eintritt. » Indem der Orientierungsuchende durch diese Erfahrung für sich erlebt, eine spezielle Berufs- oder Fachausbildung angehen zu wollen. » Indem er eine Ausbildung in der Lebensgemeinschaft als Schulungsstätte beginnt.

Studiengebühren werden keine erhoben. Für geleistete Mithilfe wird ein angemessenes Entgelt entrichtet, von dem durch das Institut ein Beitrag für Essen und Wohnen einbehalten wird.

Auskünfte - E-Mail: info@lebensgemeinschaft.net

Die Lebensgemeinschaft St.Luc*Freiheithof*Vaudésy wurde 1979 begonnen. In ihr haben sich Menschen die Aufgabe gestellt, aus dem Geist der Anthroposophie Rudolf Steiners Formen des Zusammenlebens und Zusammenwirkens zu entwickeln und zu praktizieren. Dies soll so geschehen, dass auch schwächste Menschen, auch Seelenpflegebedürftige Erwachsene, innerhalb dieser Gemeinschaft leben und ihr Schicksal verwirklichen können. Wer mitmachen will, kann dies in folgenden Betätigungen tun: pflegerische, pädagogische, künstlerische Tätigkeit, biologisch-dynamische Landwirtschaft, Kunst und Kunsthandwerk, administrative und gewerbliche Arbeit.

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